„Germania“ entstand 1995 aus einer sehr persönlichen Erfahrung und wurde für mich zugleich zu einem Bild seiner Zeit. Es erzählt von Liebe, Freiheit, Konsum, Hoffnungen und den widersprüchlichen Träumen des wiedervereinigten Deutschlands.
Das Bild
„Germania“ (1995) ist für mich Liebesbild und Zeitbild zugleich. Ausgangspunkt war meine Beziehung mit einer Stewardess der Fluggesellschaft Germania, mit der ich Freiheit, Reisen und große Nähe verband. Durch die fast kostenlosen Stand-by-Flüge kamen wir in viele europäische Städte, und für eine Zeit schien alles offen: Liebe, Zukunft, Bewegung, Abenteuer.

Die 1990er in Ostberlin
Doch schon während dieser Beziehung malte ich den inneren Widerspruch mit. Auf der linken Seite des Bildes stehen Worte wie „Sonne, Sex, Schönheit, Spaß, Schnellkost, Schokolade, Sieg“ — Verheißungen einer Zeit, in der alles erreichbar, alles möglich und alles sofort zu haben schien. Auf der rechten Seite erscheint die andere Wirklichkeit: Zahlen, „Abzug“, „Soll“, eine Art nüchterne Abrechnung, bei der kaum etwas übrig bleibt.
Das Bild ist deshalb nicht nur privat. Das Kind auf ihrem Arm ist doppeldeutig. Es steht sowohl für ein mögliches gemeinsames zukünftiges Kind als auch für das junge, unerfahrene wiedervereinigte Deutschland der 1990er Jahre. Dieses Deutschland war voller Hoffnungen, Verheißungen und Träume, aber zugleich bereits mit einer Last beladen, die fast zu schwer war, um sie zu tragen.
Für viele junge Ostdeutsche ging es damals darum, endlich etwas Eigenes aufbauen und erreichen zu können. Jeder suchte seinen Weg: durch schnellen Erfolg, schnelles Geld oder durch die Verwirklichung eines Traums. Mein Weg war die Kunst. Geld spielte für mich nie die entscheidende Rolle. Ich wollte Kunst machen — mit oder ohne Geld. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Der Titel „Germania“ verweist deshalb auf mehr als nur eine Fluggesellschaft. Er meint auch Deutschland selbst, in der Mitte der 1990er Jahre: zwischen Aufbruch und Projektion, zwischen Konsum und Überforderung, zwischen Hoffnung und Abrechnung.
🧾 Werk
Öl auf Leinwand, 200 × 150 cm
Berlin
Januar 1995
Das Gemälde ist auf Anfrage erhältlich.
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