Der Ukrainische Fallschirmjäger — Amsterdam 1992, Abchasien, Georgien

1992 malte ich in einer Nacht in Amsterdam den ukrainischen Fallschirmjäger. Drei Jahrzehnte später sind die Konflikte, die mich damals beschäftigten, noch immer nicht gelöst. Ein persönlicher Text über Malerei, Krieg, Erinnerung und Georgien.

1992 war ich Student an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam, und in einer einsamen Nacht entstand dort eines meiner seltsamsten Bilder. Das Gemälde “Der ukrainische Fallschirmjäger“.

Damals wurde die „Malereiabteilung“ in „Autonomous“ umbenannt — die Studenten konnten im Grunde alles machen, solange sie ihren Standpunkt überzeugend vertreten konnten. Es war die Zeit von Computer und Video, Installationen und allem „Konzeptuellen“, und oft wurde vermittelt, dass Malerei irgendwie überholt sei.

Aufgewachsen in der DDR, in Berlin und Dresden, kam ich eher aus einer expressionistischen Tradition und hatte zunächst meine Schwierigkeiten mit dem allgemeinen Geist an der Rietveld Academie jener Jahre. Gleichzeitig habe ich dort viel vom konzeptuellen Ansatz gelernt, und meine Kunst wurde dadurch klarer und schärfer.

In meinem Atelier in der Cornelis Drebbelstraat malte ich diese Figur dann in wenigen Minuten — den ukrainischen Fallschirmjäger, ca. 200 × 150 cm, Öl auf Leinwand.

„Ukrainischer Fallschirmjäger” · Öl auf Leinwand · 200×150 cm · Amsterdam, 1992 · Heiner Buhr

Warum ist der ukrainische Fallschirmjäger gelb?

Zu dieser Zeit war ich tief beunruhigt über den Krieg in Abchasien — einem schmalen, landschaftlich wunderschönen Gebirgsstreifen an der Schwarzmeerküste, der seine umstrittene Unabhängigkeit von Georgien erklärt hatte. Georgien und die meisten Staaten erkannten diese Unabhängigkeit nicht an. Ein brutaler Krieg begann.

Abchasien, 1992 — Foto: Giorgi Tsagareli · Sammlung Hans Heiner Buhr

Niederländische Zeitungen berichteten damals ausführlich über den Konflikt — mit grausamen Geschichten und Bildern. Ich konnte das Leid der Menschen, aber auch die Ursachen und den Sinn dieses Krieges, nicht wirklich begreifen.

In meiner Vorstellung war diese Figur damals kein sowjetischer Soldat mehr, sondern jemand aus einer neuen, ungewissen Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion — eher ein Friedenssoldat als ein Eroberer. Zuerst war es einfach nur „Der UN-Fallschirmjäger“, später wurde daraus „Der ukrainische UN-Fallschirmjäger“.

Gelb ist die Farbe der Hoffnung und der Sonne. Ich wünschte mir Frieden für die vielen Konflikte und Unruhen jener Jahre.

Er ist ein gesunder, stämmiger Dorfbursche, der vom Himmel bricht — voller jugendlicher Kraft und optimistischer Energie — und in einen ihm völlig fremden Konflikt fällt, vielleicht irgendwo in Afrika. Bald wird er zwischen den Fronten stehen. Aber er wird überleben. Er ist unaufhaltbar.

Kann Kunst tatsächlich die Realität verändern und Einfluss auf unsere Welt haben?

Einige Jahre zuvor war ich selbst ein junger, unerfahrener Soldat in der späten DDR in Ostdeutschland. Fotografieren war streng verboten, aber trotzdem gelang es mir, einige Bilder zu machen. Die Schrecken eines echten Krieges kannte ich nicht — aber ich habe sie mir oft vorgestellt, bis heute.

Heiner als junger Soldat in der DDR, 1985

Die Studentenzeit von 1991 bis 1993 an der Rietveld Academie war im Rückblick eine meiner stärksten und freiesten Arbeitsphasen. Vieles kam damals direkt aus meinem Herzen und meiner Seele.

Und dann stellte sich Jahre später heraus, wie seltsam sich ein Leben entwickeln kann: Acht Jahre danach heiratete ich meine georgische Frau, und seitdem lebe ich in Georgien — mit dem bis heute ungelösten Konflikt zwischen Georgien und Abchasien als realem Hintergrund meines Alltags.

Update — März 2026

Vierunddreißig Jahre nachdem ich den ukrainischen Fallschirmjäger in Amsterdam gemalt habe, lebe ich in Tbilissi — und die Konflikte, die mich 1992 in Amsterdam beunruhigten, sind noch immer nicht gelöst. Abchasien bleibt eingefroren. Und der Krieg in der Ukraine, den ich in jener einsamen Nacht in der Cornelis Drebbelstraat vielleicht unbewusst in gelber Farbe vorweggenommen habe, ist auf erschreckende Weise lebendig.

Viele Jahre lang war ich online vor allem als „Hans“ bekannt. 2026 habe ich alles unter meinem echten Namen zusammengeführt: Heiner Buhr. Ein Künstler, eine Präsenz, ein Name.

Heiner Buhr vor einem neuen Gemälde — Atelier Tbilisi, Mai 2024

In diesem Frühjahr veröffentliche ich meinen ersten großen Gemäldekatalog — 28 Jahre Arbeit in Georgien seit 1997. Der ukrainische Fallschirmjäger, der noch immer in Berlin ist, wird darin nicht enthalten sein. Die großen Leinwände aus Amsterdam und Berlin haben die Reise nach Tbilissi noch nicht gemacht. Aber sie warten.

Der ukrainische Fallschirmjäger beobachtet all das von einer Wand in Berlin.
Gelb. Unaufhaltbar.

Weitere Gemälde aus Georgien finden Sie unter “Paintings

Weitere persönliche und kunstbezogene Texte über Georgien, Erinnerung und Malerei finden sich in meinen Writings. “Writings

Mehr zu meinem Weg als Künstler zwischen Deutschland, Amsterdam und Georgien steht auf meiner Biografie-Seite. “About me


Heiner Buhr — Maler & Crypto Artist, Tbilissi

🌐 Auch verfügbar auf: English · Nederlands

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